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Unerwartet auf den Hund gekommen

Ich hab kein besonderes Verhältnis zu Hunden, aber bei uns in der Station gaben alle möglichen Leute alle möglichen Tiere ab – von pelzigen Schmetterlingsraupen über Kaninchen mit Beinbruch bis hin zu – genau – einem Hund. Er war irgendwo herumgelaufen und Kinder hatten ihn eingefangen und zu uns gebracht. So hielt ich nun plötzlich einen Strick in der Hand, an dessen anderem Ende sich ein freundlicher mittelgroßer Hund befand, irgend was zwischen Schlittenhund und Promenadenmischung. Da ich annahm, dass er besser als ich wußte, wohin er gehörte, ließ ich die Leine locker und folgte ihm. Bald begann er schneller zu ziehen, und wir wechselten zum Dauerlauf. Ich war barfuß und eigentlich nicht auf längere Ausflüge vorbereitet, aber in einem zügigen Wolfstrott hatten wir bald vier Kilometer hinter uns. Dann machte er kehrt, und wir liefen durch Salzwiesen und Dünen zum Dorf zurück. Ich brachte ihn zur Polizeistation, wo er bereits als vermisst gemeldet war, und das war´s eigentlich. Aber in dieser einen Stunde, die ich mich von diesem wildfremden Hund barfuß rennend durch den Sommer ziehen ließ, bekam ich plötzlich ein Gefühl dafür, wie es sich anfühlen könnte, als Schäfer oder Inuit das ganze Leben in Partnerschaft mit Hunden zu verbringen.


Rainer, Hörnum 1987